Wie die Kiwi zu uns kam

Wenn wir unseren Grossmüttern eine Kiwifrucht gezeigt hätten, hätten diese die vermutlich für eine behaarte Kartoffel gehalten, denn die Frucht ist bei uns tatsächlich erst in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts richtig populär geworden. Aus Neuseeland kommend, deren Einwohner sich ja selbst auch "Kiwis" nennen, hat die vitaminreiche Beere die ganze Welt überquert, um zu uns zu gelangen. Doch woher stammt sie ursprünglich?
Vor mehr als 700 Jahren brachten die ersten Siedler Neuseelands, die heutigen Maori, die Frucht aus der Südsee mit, die sie selbst als "chinesische Stachelbeere" bezeichneten. Tatsächlich ist dort auch die Heimat der Pflanze zu vermuten, die dann auf der neuseeländischen Nordinsel ideale Anbaubedingungen vorfand. Es war James Cook, der im Jahre 1769 an der Küste Neuseelands vorbei segelte und viele, viele Kanus an Land entdeckte sowie Kochstellen und Gemüsefelder. Als er das Land betrat, war er erstaunt über den Reichtum der hier wachsenden Pflanzen und nannte deshalb diesen Küstenabschnitt die "Bay of plenty" ( weil hier so viel wuchs und so heisst die Bucht auch noch heute!). Fruchtbare tiefgründige Böden durch vulkanische Aktivität, der nahe Pazifik als Klimamilderer und ausreichende Niederschläge stellen einen idealen Standort für jeglichen Fruchtanbau dar. Darum wird diese Region heute als "Obstschale Neuseelands" bezeichnet, da neben den Kiwis noch viele weitere Obstarten angebaut werden.
Seitdem die europäischen Siedler dort leben, wurden schon seit Beginn des 20.Jahrhunderts über 150 verschiedene Kiwiarten gezüchtet, von denen drei ganz besonders erfolgreich sind und seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts in alle Welt exportiert werden.
Und so kamen sie dann auch zu uns: in Kisten 'a 30 Früchten werden die Beeren auf Schiffe verladen, wo sie gekühlt  problemlos 9-10 Monate gelagert werden können und gelangen so in alle Welt. Kiwis sind unglaublich inhaltsreiche Früchte. Laut Pflanzenlexikon stecken in den pelzigen Beeren (actinidia deliciosa) viel Calcium, Eisen, Kalium, Magnesium und v.a. Vitamin C! Als Vitamin-Bombe hat sie somit einen positiven Effekt auf unser Immunsystem. Auch Spurenelemente sind reichlich vorhanden, so dass man die Kiwi auch als "Superfood" wegen ihrer vielen Inhaltsstoffe bezeichnet. Neben der "normalen" Kiwi gibt es inzwischen auch bei uns die etwas grössere Zespri und eine kleinere, aber sehr inhaltsreiche Kokuwa. Allen gemeinsam wird eine blutreinigende und entschlackende Wirkung, Hilfe bei der Eiweissverdauung und harntreibend nachgesagt. Ebenfalls positiv ist ihr Gehalt an Ballaststoffen.
Inzwischen bauen wir die Früchte auch in Europa an, zunächst nur in England, aber schnell auch auf dem Festland. Sie hat als hübsche Pflanze auch schon Einzug in viele unserer Hausgärten gefunden. Für die Neuseeländer war das ein herber Schlag und sie mussten ihre Anbaumengen heftig drosseln. Wurden bis in die 60er Jahre noch etliche Kiwianbauer zu Millionären, müssen sie heute mit einem wachsenden Auslandsmarkt konkurrieren.

Die Fotos sind aus den Kiwiplantagen der neuseeländischen Bay of Plenty, wo immer noch reichlich Kiwianbau betrieben wird.